Zwei Schritte vor, einer zurück…

Mein Hausarzt sagte mir das es ein langer, steiniger Weg wird und das ich immer zwei Schritte vor und einen zurück machen werde. Wie recht er doch hatte, aber zu Beginn machte ich einen Schritt vor und zwei Schritte zurück.

Ich sollte in die Tagesklinik zu einen Vorgespräch kommen. Während ich unter der Dusche stand und mich frisch machte wurde mir plötzlich komisch. Sehstörungen, Taubheitsgefühl auf der linken Körperseite. Meine Frau und ich fuhren in das Krankenhaus während meine Eltern auf die Kinder aufpassten. Die Ärztin merkte das mit mir etwas nicht stimmte, sie fragte die Symptome ab und schickte mich sofort auf Station. Um genau zu sein auf die Stroke Unit. Ich hatte einen leichten Schlaganfall und wie sich herausstellte war das nicht der erste. Ich war im Moment der Diagnose vollkommen fertig. Wieso gab es immer wieder solche Rückschläge? Warum bekam ich immer wieder einen Tritt in den Allerwertesten. Ich blieb knapp eine Woche im Krankenhaus und wurde dann entlassen um gleich in das nächste Krankenhaus zu gehen.

Ich ging nach Rotenburg. Ich wollte eine zweit Meinung. Leider wurde mir nichts neues, positiveres gesagt, aber man war so ehrlich und riet mir von einer Behandlung in Rotenburg ab. Schließlich müsste man die Strecke ja immer wieder fahren und so entschloss ich mich die Behandlung in Bremen durchführen zu lassen.

Ich hatte also wieder einen Termin in Bremen zum Vorgespräch. Ich wurde über den Ablauf der Chemotherapie aufgeklärt und ich wurde darüber in Kenntnis gesetzt das die Chemotherapie nicht mehr so schlimm ist wie in den 80er Jahren und man nicht mehr so viel erbrechen muss. Ende Mai 2017 war es dann soweit. Die erste Chemotherapie. Die Behandlung habe ich sehr gut weggesteckt und dank der Tabletten gegen Übelkeit und Erbrechen habe ich auch die ersten drei Tage nach der Behandlung gut überstanden. Danach aber war ich nur am Brechen.

Während ich auf den nächsten Termin wartete bekam ich einen Anruf aus dem Krankenhaus. Bei einer Blutuntersuchung kam heraus das der Tumor eine seltene Mutation aufweist und ich statt der Standard Chemotherapie eine Therapie auf Tabletten Basis machen kann. Das Mittel nennt sich Giotrif und ist erstens besser verträglich und zweitens schlägt es besser an. Die Tabletten muss ich zwar täglich nehmen, aber ich vertrage sie verdammt gut und sie wirken auch sehr gut. Aber dazu später mehr. Denn es folgten mal wieder zwei Schritte zurück.

Anfang Juli kam ich wieder ins Krankenhaus. Ich war extrem kurzatmig und beide Füße waren extrem angeschwollen. Es stellte sich heraus das ich eine Thrombose im linken Bein hatte und in der Lunge sich Wasser angesammelt hat. Ich bekam also Blutverdünner gegen die Thrombose und das Wasser wurde über eine Drainage abgepumpt. Schon beim legen der Drainage sind, laut dem Arzt,  1,5 Liter Wasser abgeflossen und weitere 1,5 Liter wurden in den folgenden Tagen abgepumpt. Es stellte sich bei dem Krankenhausaufenthalt aber auch heraus das meine Wirbelsäule durch die Metastasen angegriffen ist und das dem ganzen nur mit einer Strahlentherapie beizukommen ist. Ich bekam also Ende Juli auch noch Bestrahlung. Zehn Termine, aber es brachte etwas.

Ich hatte, seitdem ich das Giotrif nehme, schon zwei Termine zur Kontrolle und es tut sich was. Der Primärtumor ist kleiner geworden und die Metastasen auf Leber und Wirbelsäule sind rückläufig. Auch die angegriffenen Wirbel erholen sich, so das alles in allen die Lebensqualität gestiegen ist und von den Nebenwirkungen die Giotrif mit sich bringen soll, merke ich so gut wie gar nichts.

In der ganzen Zeit gab es aber immer wieder Ereignisse die uns das Leben einfacher machten. So bekam ich zunächst ein Pflegebett bewilligt, welches jetzt in unserem Wohnzimmer steht und ich mich nicht mehr die Treppen hochquälen muss. Es ist doch verdammt anstrengend die Treppen hoch zukommen und ich hoffe das es mir bald einfacher fällt, denn ich vermisse es sehr neben meiner Frau einzuschlafen. Mein Arbeitgeber zahlt mit die Differenz zwischen meinen Nettogehalt und dem Krankengeld, so das ich mir keine Sorgen um das Geld machen muss und mich auf das Gesund werden konzentrieren kann. Ich habe einen Schwerbehinderten Ausweis bekommen. Ich bin zu 100% schwer behindert und der Ausweis ist unbegrenzt gültig. Und zu guter letzt bekommt meine Frau jetzt Pflegegeld für mich.

Wir sehen der Zukunft jetzt positiv entgegen und hoffen das es in nächster Zeit so weitergeht.



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