Kontrolle die fünfzehnte… / Ende der Wiedereingliederung

Gestern war schon die fünfzehnte Kontrolle und die hatte es in sich. Inzwischen gehört der Lungenfunktionstest, das Röntgen und das EKG zum Standard Programm, aber gestern kam noch ein CT und ein MRT dazu. Und das sollte noch nicht alles gewesen sein.

Um 9 Uhr ging es los. Zugang legen, Blut abzapfen für das Labor und dann auf zum MRT, wo ich um 9 Uhr 20 meinen Termin hatte und auch pünktlich dran kam. Mein Kopf sollte mal wieder untersucht werden, um sicherzustellen das sich dort keine Tumore gebildet haben und auch keine neuen Hämatome entstanden sind. Es ist zum Glück alles in bester Ordnung und auch die alten Hämatome sind nicht mehr zu sehen. Danach LuFu und Röntgen und dann wollte ich zum EKG. Doch das stand nicht auf meinen Laufzettel. Ich habe mir dabei nichts  gedacht und so bin ich auch nicht bei der Untersuchung gewesen. Mit dem ganzen Procedere war ich dann um 11 Uhr durch und den Termin für das CT hatte ich erst um 13 Uhr. Also etwas Zeit zum essen und ausruhen. Auch beim CT bin ich pünktlich dran gekommen und es verlief ohne Ereignisse. Das anschließende Gespräch mit der Ärztin war durchaus positiv. Im Kopf ist alles in Ordnung, die Blutwerte sind gut, die Metastasen in der Leber sind wieder rückläufig und auch in der Lunge sieht es etwas besser aus, aber da fehlte noch die endgültige Diagnose der Radiologen. Der kleine Wermutstropfen für mich war, das ich a) noch das EKG nachholen musste (Tagrisso kann das Herz beeinflussen) und b) es auf den Bildern vom CT so aussah als wenn ich mehr Wasser in der Lunge hätte als beim letzten mal. So durfte ich auch noch zum Thorax-Sono und per Punktion wurde das Wasser aus der Lunge geholt. Es waren aber lediglich 500 ml und nicht wie vermutet 1 Liter. Danach musste ich noch einmal zum Röntgen. Wieso? Keine Ahnung. Hat mich auch nicht mehr interessiert. Nachdem es jetzt schon fast 16 Uhr war, wollte ich nur noch nach Hause. Ich war genervt, auf Koffein Entzug und inzwischen auch wieder etwas hungrig. Kurz und knapp gesagt, mein Zustand hat sich verbessert, aber ich war gestern Abend extrem gereizt. So genervt ich auch von dem Marathon war umso besser geht es mir mit der Wiedereingliederung.

Die Wiedereingliederung lief nun vielmehr seit vier Wochen. Angefangen mit drei Stunden pro Tag in den ersten beiden Wochen, merkte ich schon schnell das mir das Arbeiten gefehlt hat. Ich war bereits nach zwei Tagen viel ausgeglichener und habe nicht mehr bei jeder Kleinigkeit das HB Männchen gemimt. Auch habe ich viel besser geschlafen und litt nicht mehr unter Schlaflosigkeit, nur die Krämpfe in den Beinen wurden nicht weniger eher mehr und habe mich des öfteren stündlich geweckt, aber auch das hat sich gebessert. Das einzigste was wirklich unbefriedigend war, war das man in drei Stunden nicht wirklich was geschafft hat. Kaum war ich auf der Arbeit war gefühlt auch schon wieder Feierabend ohne das ich meine begonnene Arbeit fertig gestellt hatte. Umso erfüllender war es als ich wieder fünf Stunden gearbeitet habe. Jetzt konnte ich auch Arbeit die ich morgens begonnen hatte an einen Tag fertig stellen. Ich konnte sogar mehr schaffen. Und auch diese zwei Wochen sind jetzt schon um und wie ich gehört habe fand der eine oder andere die kurze Phase der Wiedereingliederung sehr sportlich von mir und glaubte nicht das ich es in dieser Zeit schaffe. Aber ich habe es geschafft und ich freue mich darauf ab Montag wieder voll zu arbeiten. Die meisten Menschen brauchen das auch als Bestätigung für sich selbst, um sich als Vorbild für seine Kinder zu fühlen, um andere Menschen zu sehen und anderes zu erleben. Ich halte dies für einen wichtigen Schritt im Kampf gegen den Krebs: Der gewohnte Alltag.

Ich bin jetzt gespannt wie sich alles weiter entwickelt. Mitunter vergesse ich meine Krankheit komplett und hoffe das irgendwann der Punkt erreicht ist, wo ich nie wieder an sie denken muss. Nie wieder ein denken an was passiert dann, was wird aus meiner Frau und was wird aus meinen Kindern. Um die Kinder Sorge ich mich am meisten, aber so gut wie es jetzt läuft will ich erst gar keine düsteren Gedanken aufkommen lassen und zuversichtlich in die Zukunft blicken.



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